Die Basstrompete

Kleiner Blick in die Historie

4. März 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Text: Erich Sepp

Der Name der landläufig so bezeichneten Instrumente ist eigentlich falsch und irreführend, denn sie übernehmen zum einen im Ensemblespiel nicht die Bassfunktion und zum anderen handelt es sich in der Regel um Bassflügelhörner oder Tenorhörner in Trompetenform, also um Blechblasinstrumente mit mittlerer bis weiter Mensur in Tenorlage. Ich will aber im Folgenden bei der üblichen Bezeichnung bleiben. Der Name ist abgeleitet von italienisch Tromba bassa für die tiefe Trompete in B oder C im Gegensatz zur Tromba alta für die hohe Trompete in B oder C. In Handschriften findet man häufig falsche Schreibweisen wie Tromba basso oder Trompa basso. Echte Basstrompeten mit enger Mensur haben sich in der Blasmusik nicht durchgesetzt, weil Ventilposaunen wegen der besseren Gewichtsverteilung in Spielhaltung leichter zu handhaben sind und meist auch leichter ansprechen.

Dagegen war die Basstrompete ab etwa 1845 bis in die 1950er-Jahre fester Bestandteil der 7- bzw. 9-stimmigen Blechmusik. Eine Es-Trompete und zwei Basstrompeten bildeten zusammen mit der Basstuba das rhythmische Fundament. In den handgeschriebenen Marschbüchern der Blechmusik in meinem Heimatort Reichling, in denen sich das Repertoire der königlich-bayerischen Militärkapellen widerspiegelt, spielen die Basstrompeten durchgehend den Nachschlag, in der Regel sogar auch bei Bass-Solo-Stellen.

Echte Basstrompete in C mit B-Umschaltventil im Prospekt der Fa. Alexander, Mainz, 1967 [aus: Herbert Heyde, Das ­Ventilblasinstrument. Wiesbaden 1987, Abb. 33 b.]
Basstrompete von Georg Saurle, München um 1870 [aus: Herbert Heyde, Das Ventilblasinstrument. Wiesbaden 1987, S. 155.]

Die auf dem Foto der Musikkapelle Reichling rechts abgebildete Basstrompete ist das in Bayern übliche Instrument mit drei Drehventilen und zwei Windungen. Ab etwa Mitte der 1950er-Jahre wurden in den Blaskapellen die Basstrompeten durch Tenorhörner ersetzt. Dies entsprach zum einen dem geänderten Zeitgeschmack unter dem Einfluss der sog. Egerländer Musik von Ernst Mosch (1925–1999) und zum anderen auch deswegen, weil die nach vorne gestreckte Spielhaltung des etwa 60 cm langen Instruments zur Ermüdung der Arme und Hände führt.

Ab Mitte der 1980er-Jahre erlebte die Basstrompete eine kleine Renaissance, weil ihr markanter und nicht zu harter Ton für den Nachschlag bestens geeignet ist. Vorbilder waren die Tanngrindler Musikanten aus Hemau in der Oberpfalz und die Westendorfer Musikanten aus Westendorf bei Kaufbeuren, die sich jeweils neue Instrumente angeschafft haben. Nicht unerheblich dürfte auch die Vorbildwirkung von Franz Schötz aus Haselbach bei Straubing gewesen sein, der als Volksmusikberater beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege auf dessen Musiklehrgängen mit Können und Begeisterung das Nachschlagspiel auf seiner Basstrompete praktiziert hat.

Gegenwärtig werden in der Volksmusik vermehrt wieder Bassflügelhörner in kompakter Bauweise mit drei Windungen gespielt. In Kombination mit Flügelhörnern sorgen sie für einen einheitlichen weichen Klang im Melodieregister.

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Aufmacher:
9-stimmige Blechmusik aus Reichling (Lkr. Landsberg), 1930er-Jahre [Foto: Blaskapelle Reichling]

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